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"Werter Reisender, ich möchte Euch einen kurzen Überblick über diese wunderbare Stadt geben. So, von Kratas her seid ihr angereist, mit einer Karawane? Dann laufen wir am besten hinüber an das Ufer des Vorssees, wo ihr das Boot von Or'dilgen findet. Er setzt Euch für ein Silberstück nach Almaranth über. Kommt mit! Dort landen wir an der südlichen Anlegestelle. Rechterhand, ein paar Schritt vom Strand entfernt, ist ein rundes Becken, in dessen Mitte auf einer Art Insel ein Zwerg mit einer langen Stange steht. Dies ist ein Transportkanal, der Eure Waren auf einem kleinen Floß in den Bazar bringt - für zwei Silberlinge könnt Ihr solch ein kleines Floß bekommen. Doch ich sehe, Ihr reist mit leichtem Gepäck. Eine gepflasterte Straße läuft entlang des Kanals in Richtung Stadt. Schon von hier aus könnt Ihr den Bazar sehen, diese riesige Pyramide, die einst die Stadt schützte. Manchmal ist es hier allerdings so neblig, daß man sie erst sieht, wenn man schon fast dagegenläuft. Wie Ihr seht, begegnet man auf dem Weg in die Stadt schon sehr vielen Händlern und Käufern, die zum Bazar strömen oder von dort kommen und wieder zum Ufer übersetzen wollen. Man folgt einfach der Straße, irgendwann beginnen die Häuser, und wenn Ihr etwa eine dreiviertel Meile gelaufen seid, findet Ihr Euch mitten im belebtesten Teil Almaranths wieder. Da wir nun aus Süden kommen, durchqueren wir zuerst die Viertel der Handwerker. In diesen kleinen, engen und dunklen Seitengassen finden sich Schuster, Schreiner, Schmiede, Radmacher (obwohl diese hier ein schweres Leben führen), Schneider, Rüstschmiede, Zimmerleute und all die anderen. Am Ende der Straße stehen auf dem Platz vor dem Bazar unzählige Stände, an denen Ihr Essen und Trinken erwerben, Geld tauschen oder allerlei Kleinigkeiten erstehen könnt. Besonders die gegrillten Fischteile kann ich empfehlen. Sie werden nach Almaranther Art erst eine Nacht in einem Kräutersud eingelegt, dessen Rezeptur streng geheim ist. Grillt man sie dann, wird der Fisch zart und saftig und schmeckt erbaulich nach zahlreichen Kräutern - wundervoll! Ihr solltet, bevor Ihr den Bazar betretet, noch einen Blick nach links werfen. Dort steht eines der wenigen Steingebäude der Stadt, die Bibliothek. Sie ist leicht zu finden, so daß sie ein guter Treffpunkt ist. Ich werde noch einige Besorgungen machen, am besten treffen wir uns eine Stunde vor Sonnenuntergang dort. Seid nicht zu spät, denn das letzte Boot fährt um Sonnenuntergang! Ach ja, wenn Ihr Euch noch umschauen wollt, das Viertel hinter der Bibliothek, in Richtung Hafen, ist hauptsächlich von Schenken, Tavernen, Bäckereien, Metzgereien und Gemüsehändlern bevölkert - aber geht zuerst in den Bazar, er ist wirklich sehenswert! Oh, und im Norden der Stadt findet Ihr noch einige Heiligtümer wie den Garlen-Tempel mit seinem prachtvollen Bad und viele, viele Wohnhäuser - aber auch dort gibt es architektonische Perlen, die Ihr Euch ansehen solltet. Ich finde es immer wieder erstaunlich, daß die Häuser hier so hoch sind, es gibt sogar welche mit vier Stockwerken! Leider sind dadurch aber auch die Gassen besonders dunkel... Ihr wollt zum Chorollis-Tempel? Folgt einfach der Straße, die vom Bazar aus östlich aus der Stadt hinausführt. Lauft an den Lehmgruben vorbei den Hügel hinauf, und ihr werdet gleich auf den Tempel treffen. Dort oben ist es toll, Euch weht ein angenehmer kühler Wind um die Nase (und nach dem Mief hier unten in der Stadt tut das sehr gut!), und Ihr habt eine wunderbare Aussicht auf die ganze Insel. Wenn Ihr Euch den Hafen betrachten wollt, folgt der westlichen Straße. Vorbei an den fruchtbaren Feldern und ein paar Flecken Wald kommt Ihr nach knapp zwei Meilen zu den ersten Lagerhäusern. Die Hafenanlage ist wirklich sehenswert, ist sie doch soweit ich weiß die einzige, welche völlig überdacht ist! Vom Hafen aus könnt ihr auch die Blitzberge sehen, eine Klippe, auf deren Spitze die Schule für Elementaristen steht. Nun muß ich aber los, Reisender, genug geplaudert! Ich wünsch' Euch einen schönen Tag in der Stadt, wir sehen uns heute abend vor der Bibliothek!" |
© Philipp Reif, 1997-99